Der Hannoversche Rennverein trauert um Dr. Erika Buhmann – Ehefrau des Gründers vom Gestüt Evershorst hat Turfgeschichte geschrieben

(24.02.2020/wis) Dr. Erika Buhmann galt als letzte „Grande Dame" des Deutschen Turfs. Sie war verheiratet mit dem Gründer des Gestüt Evershorst, Karl-Heinz Plinke-Buhmann, der die Zuchtstätte 1932 in Langenhagen, auf einem historischen Hof dessen Geschichte bis in das 12. Jahrhundert zurückreicht, gründete. Nach seinem Tod 1994 prägte Dr. Erika Buhmann über 10 Jahre als Leiterin die Geschicke des Gestüts, bevor sie das Zepter 2004 an ihren Sohn Walter Buhmann übergab.

Dr. Erika BuhmannDas rund 40 Hektar umfassende Gestüt Evershorst sorgte erstmals 1955 für Schlagzeilen: Die Stute Lustige (Ticino-Lapis), geboren 1952 als Urenkelin von Lapis Elektrix, einem der beiden ersten Pferde, die Karl-Heinz Plinke-Buhmann erworben hatte, gewann auf dem Mülheimer Raffelberg nicht nur den Preis der Diana und damit das seit 1857 ausgetragene Deutsche Stutenderby, sondern anschließend auch das 86. Deutsche Derby in den Farben der Gebrüder Karl-Heinz Plinke-Buhmann und Friedrich Buhmann. Friedrich Buhmann hatte sich ebenso dem Vollblutsport verschrieben, betrieb seine Zucht aber auf dem Hof Benrode bei Uetze. Über 42 Jahre war Lustige die letzte Stute, die sich in die Siegerliste des Blauen Bandes eingetragen hatte. 1997 war es schließlich Borgia, die diesem Nimbus ein Ende setzte. Als Trainer von Lustige zeichnete Gustav Reinecke auf der Großen Bult in Hannover und als Jockey Albert Klimscha verantwortlich.  Das Gestüt Evershorst wurde damit zu einer der ersten norddeutschen Vollblutadressen. Auch als Hengstgestüt machte sich Evershorst schnell einen Namen. Bereits 1955 kam mit Nuvolari der erste Deckhengst. Danach deckten dort unter anderem die Deutschen Derbysieger Kaliber, Lauscher, Ilix sowie die erfolgreichen Hengste Local Suitor, Royal Solo und Areion.

In den Evershorster Farben sah man eine Menge guter Pferde. 1961 war es Don Carlos, der Zweiter im Deutschen Derby wurde und sich nur dem überlegenen Baalim aus dem Gestüt Waldfried geschlagen geben musste.

Gute Klasse vertrat in den 60er Jahren auch Inken, die Siegerin im Horster Criterium. Im folgenden Jahrzehnt vertraten Cappucino (Sieger im Großen Karstadt-Preis und Dritter im Großen Kaufhof-Preis), Imperator (Sieger im Badener Jugendpreis und im Zukunftsrennen) und Ninotschka (Siegerin im Zuchtpreis der Neuen Bult) bessere Klasse. Zu nennen sind aber auch Pferde wie Afrikaner, Ipameri, Scandia, Inkognito, Itaguari, Ircanda, Le Royal und Inambari. Und nicht zu vergessen sind der deutsche und zweifache italienische St.Leger-Sieger Liquido, sowie die Gruppe- und mehrfache Listensiegerin in Italien, Irini, die die Evershorster Zucht ins internationale Rampenlicht rücken konnten.

Der Vorhang zur ganz großen Turfbühne hob sich für Dr. Erika Buhmann noch einmal im Jahr 2016, als der von ihr gezogene Iquitos mit seinem Sieg im Großen Preis von Baden nach 61 Jahren der Evershorster Zucht einen weiteren Gruppe I-Sieger bescherte. Iquitos gewann fünf Grupperennen, davon drei auf Gruppe I-Niveau.

Eine große Bestätigung und Freude war für Erika Buhmann die Wahl von Iquitos zum Galopper des Jahres 2016 und 2018. Für die außergewöhnliche und liebenswerte Turfpersönlichkeit Dr. Erika Buhmann hat sich damit ein Kreis geschlossen, der sie am Ende ihres Weges noch einmal in besonderen Maße am Glück des Sports hat teilhaben lassen.

Am vergangenen Samstag ist Dr. Erika Buhmann verstorben. Sie wurde 97 Jahre alt.