Hans-Jürgen Gröschel: Meilensteine eine Trainerkarriere

(24.10.2020/wis) Am morgigen Sonntag wird Hans-Jürgen Gröschel im Großen Preis der Tierärztlichen Hochschule Hannover, einem Listenrennen, mit Graf und Grafin von Stauffenbers Belle Anglaise, seinen letzten Starter auf seiner Heimatbahn, der Neuen Bult satteln.

16.06.1943: Geboren in Dresden.

Saison 1961: Beginn der Lehre zum „Facharbeiter für Pferdezucht und Leistungsprüfungen" (so die offizielle Berufsbezeichnung in der DDR) am Rennstall Graditz in Hoppegarten bei Trainerlegende Richard Kortum. Nach seiner Lehrzeit folgt eine Beschäftigung bei seinem Vater Hans Gröschel in Dresden-Seidnitz am Rennstall Hochkirch als Futtermeister. Neben seinem Vater Hans haben sich auch sein Bruder Ecki sowie drei seiner Onkel als Trainer oder Jockeys dem Sport verschrieben.

Saison 1973: Übernahme des Trainingsbetriebes seines Vaters.

15. April 1973: Erster Sieg als Trainer mit der dreijährigen Stute Ina in Leipzig. Im selben Jahr gewinnt Gröschel mit der Stute Dessau auch den Hoppegartener Stutenpreis.

Saison 1976: Mit 45 Siegen auf der Flachen und 5 Siege auf der Hindernisbahn markiert das Jahr 1976 die erfolgreichste Saison für Gröschel in der DDR.

Große Erfolge: Siege mit Falkensee im Grand Prix der DDR, sowie im St.Leger der DDR und im St.Leger Polens. Auerberg siegt im Herbstpreis der Zweijährigen und als Dreijähriger im Großen Frühjahrszuchtpreis (einem Klassiker der DDR). Witold formt Gröschel zum besten Meiler der DDR. Adebar siegt in Pardubitz. Wildsee gewinnt den Preis der NVA und damit das schwerste Jagdrennen der DDR.

Saison 1975 bis 1986: Gröschel ist über 11 Jahre ununterbrochen der erfolgreichste Trainer der Trainingszentrale Dresden.

15. Juni 1986: Ottawa sorgt mit ihrem Sieg im Stutenpreis der Zweijährigen der DDR für den 400. Trainersieg.

Saison 1989: Zu Buche stehen 488 Siege (inkl. 53 Siege auf der Hindernisbahn). Damit endet 1989 die annähernd 50-jährige Familiengeschichte der Gröschels in Dresden-Seidnitz. Hans-Jürgen Gröschel: „Als ich merkte, dass die DDR anfängt zu wackeln, wollte ich nur noch weg". Noch in der Endphase der DDR stellt Gröschel einen Ausreiseantrag. Die sich überschlagenden politischen Ereignisse machen eine Genehmigung der Ausreise aber nicht mehr erforderlich, da die Mauer fällt. Gröschel verlässt „seine" Stadt Dresden mit Wehmut.

September 1990: Start auf der Neuen Bult. Zunächst als angestellter Trainer von Stall Silbersee-Eigner Bernhard Gerdes. 

16. September 1990: Stall Silbersees Stanislaus (unter Simon Stokes) ist in einem Jagdrennen in Bremen erster Starter „im Westen" für Hans-Jürgen Gröschel und belegt den 5. Platz.

29. September 1990: Erster Sieg seit dem Wechsel auf die Neue Bult mit Stall Silbersees Satellit unter Lutz Mäder im Ausgleich III (Mandelbaum-Rennen) in Dortmund-Wambel.

Marz 1991: Schritt in die Selbstständigkeit.

23. August 1991: 500. Sieg durch Rolf Kopfs Peloux unter Dirk Fuhrmann im Sachsen-Weimar-Rennen (Ausgleich III) in Baden-Baden.

19. Mai 1997: Sieg mit Dr. Radbod Rudolphs Ajano (Andrzej Tylicky) im Großen Müller-Brot-Preis (Gruppe II) am „grünen Tisch". Ajano ist damit der erste Sieger in einem Grupperennen, der auf der seit 1973 bestehenden Trainingszentrale Neue Bult trainiert wird.

Saison 1997-2011: Ausgleich I-Sieger: Mut, Supreme Dominie und Lillebror. Listensieger auf der Flachen: Ircanda, Lyrical, Green Fantasy, Glentire und Lord Areion (erster Auslandssieg für Gröschel im Premio Eupili in Mailand). Listensieger über Hindernisse: Skywalker (Schmidt-Pauli-Jagdrennen, Baden-Baden), Pocci (3-maliger Listensieger, u.a. Markgraf Berthold-Jagdrennen u. Badener Roulette-Preis).

Saison 2006-2007: Sieg mit Dr.Dr. Christiane Ottos Waleria in drei Listenrennen, sowie im Fürstenberg-Rennen 2006 (Gruppe III) in Baden-Baden und im Großen Preis der Deutschen Einheit 2007 (Gruppe III).

21. Juni 2008: Tragischer Unfall in Düsseldorf. Während einer Rennveranstaltung wird Gröschel im Führring von einem auskeilenden Pferd im Gesicht getroffen und schwer verletzt. Der Nasen- und Jochbeinbruch wird in einer 5-stündigen OP durch den Gaumen operiert und ein Netz zur Stabilisierung des Auges eingesetzt. Spätfolgen sind heute noch vorhanden.

29. August 2010: 1.000 Trainererfolg durch Saturn Stables Fine Emotion (Viktor Schulepov) in Berlin-Hoppegarten (Preis der Gemeinde Hoppegarten). Gröschel erlebt den Sieg vor einem Monitor während eines parallel stattfindenden Renntages der Großen Woche in Iffezheim. Es gibt eine von Hein Bollow und Christian Sprengel initiierte Champagner-Dusche.

9. Oktober 2010: Jürgen Freys Irini, viermalige Listensiegerin, gewinnt den Premio Verziere (Gruppe III) in Mailand.

14. Juli 2012: Ein besonderer Tag im Leben von Hans-Jürgen Gröschel: Im ersten Rennen der Karte in Leipzig gewinnt Dr. Ute und Herbert Finkes Ground Control. Damit übertrifft Hans-Jürgen Gröschel die Siegmarke von 1.086 Erfolgen seines erfolgreichen Vaters Hans Gröschel um einen Sieg und steht nun bei einer Marke von 1.087 Treffern. Das große Lebensziel im Sport ist damit erreicht.

31. Dezember 2012: Mit 48 Saisonsiegen und dem 4. Platz im Trainerchampionat ist das Jahr 2012 das absolute Spitzenjahr des Trainers.

Saison 2013: Dr.Dr. Christiane Ottos Wasimah gewinnt anlässlich des 145. Jubiläums der Galopprennbahn Hoppegarten das höchstdotierte Listenrennen in Deutschland. Rennstall Darbovens Polish Vulcano gewinnt nach seinem Listentreffer nun auch im Preis der Sparkassen Finanzgruppe (Gruppe III) während der Großen Woche in Baden-Baden. Sieg durch Rennstall Darbovens Koffi Angel im Kölner Stutenpreis (Listenrennen). 

Saison 2015-2018: Zur zweifachen Listensiegerin 2015 avanciert Sabine Goldbergs Techno Queen. Karin Schwerdtfegers Shy Witch, Listensiegerin 2015, gewinnt in den Jahren 2016 und 2017 die Hamburger Stutenmeile (Gruppe III). Iquitos aus dem Stall Mulligan gewinnt den Großen Preis der Badischen Wirtschaft 2016 und 2018 (Gruppe II), den Großen Preis von Baden 2016 (Gruppe I), den Großen Dallmayr-Preis 2017 (Gruppe I) und den Großen Preis von Bayern 2018 (Gruppe I). Damit ist Iquitos der erste Gruppe I-Sieger auf der Flachen, der auf der Neuen Bult trainiert wird.  Iquitos startet 2016 und 2017 im Japan-Cup in Tokio, sowie im Prix de l`Arc de Triomphe 2017 in Chantilly, landet aber jeweils außerhalb der Geldränge. In seiner Karriere bestreitet Iquitos 26 Rennen in vier Rennzeiten und erzielt eine Gewinnsumme von 671.690 Euro. Iquitos wird Galopper des Jahres 2016 und 2018, erster Gewinner der German Champions League 2016 und Online Award-Sieger als Pferd des Jahres 2016 in Deutschland. 

Saison 2019: Stall Tottis Itobo gewinnt den Großen Preis der Badischen Wirtschaft (Gruppe II) und den Preis der Deutschen Einheit (Gruppe III). Die Stuten Emerita und Serena aus dem Gestüt Paschberg siegen jeweils in einem Listenrennen.

Saison 2020: Iringa aus dem Stall Schwarz-Rot gewinnt auf der Neuen Bult den Großen Preis der BBAG Jährlingsauktion. 

Erfolgszahlen (Stichtag 24.10.2020):

DDR: 488 Siege (inkl. 53 Siege über Hindernisse)

BRD: 798 Siege (inkl. 9 Siege über Hindernisse)

Gesamtsiege: 1.286 (inkl. 7 Siege im Ausland)

Neue Bult: 104 Siege

Baden-Baden: 96 Siege

Gewinnsumme seit seinem Start 1990 auf der Neuen Bult (inkl. Ausland): 7.354.529 Euro.

Anzahl der Siege in den tragenden Rennen seit seinem Trainingsbeginn 1990 auf der Neuen Bult:

Ausgleich I: 24 Siege

Listenrennen: 24 Siege

Gruppe III: 8 Siege

Gruppe II: 4 Siege

Gruppe I: 2 Siege

Gröschel erzielte auf der Neuen Bult 16 Trainer-Championate.